Gesicht zeigen!

Dr. Petra Erler hatte in ihrem Vortrag angedeutet, dass sie zurückkehren möchte zu einem stärkeren Fokus auf Realpolitik. Persönlich halte ich diesen Ansatz besonders bezüglich der Europäisch-russichen Beziehungen für wichtig. Was sich vor allem in den Gesprächen mit Petra Erler sowie Helmut Scholz gezeigt hat, ist, dass der europäische Frieden momentan prekärer ist, als mir persönlich bewusst war. Neben der Notwendigkeit für eine Realpolitik, die vor allem den Frieden an vorderster Stelle innehaben muss, bietet ein realpolitischer Ansatz auch die Möglichkeit, Selbstbestimmung und Souveranität im Lichte von westlicher militärischer Intervention sowie strukturellen wirtschaftlichen Zwängen wieder in den Mittelpunkt globaler Politik zu stellen, um den ideologischen Charakter, den der Diskurs der Werte eingenommen hat, zu hinterfragen. Hiermit würde ich zum Beispiel auch Gehrckes außenpolitische Einstellung gegenüber Syriens kritisieren, in der scheinbar der Wert der Sekularität vor den der Selbstbestimmung gestellt wird (man bevorzuge ja einen sekulären Partner in der Friedensfindung). Europa sollte, zusätzlich zu seinem geschichlichen Verständnis, innenpolitisch ein Friedensträger zu sein, bezüglich seiner Kolonialgeschichte nun auch Gesicht zeigen, um eine außenpolitischer Friedensträger zu werden – was sich bezüglich der Geflüchtetensituation aktuell ja auch innenpolitisch auszahlen würde.

Beryl Boehmer

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