Kalte-Kriegs-Rhetorik zurück in den Kalten Krieg!

Dieser Morgen war der europäischen Sicherheit und der Rolle Europas in der Welt gewidmet. Dabei kam die Frage auf, wie die Bedeutung des Kalten Krieges in jüngeren Generationen aussieht. Ist die Problematik noch präsent? Werden wir Lehren aus den Ereignissen bis 1990 ziehen?

An der Universität Bonn, wo ich meinen Master gemacht habe, war die Bipolarität aus dem Kalten Krieg noch sehr präsent. Ich hielt den Rückbezug darauf oft für konservativ und überholt. Doch wenn man sich die aktuellen Debatten anschaut, scheint es noch sehr in den Köpfen der Menschen verhaftet zu sein. Gerade in der Ukrainekrise fühlte ich mich oft an die Rhetorik aus dem Kalten Krieg erinnert – bei Politiker*innen ebenso wie bei Journalist*innen. Und zwar auf beiden Seiten.

Die Bipolarität ist natürlich eine sehr klare und einfache Sicht auf unsere Weltordnung. Es ist klar, wer gut und wer böse ist, wer auf welcher Seite steht. Gegenseitige Vorwürfe über Provokationen und Verstöße gegen Absprachen lassen sich sehr einfach in die Kalte-Krieg-Konstellation einbetten. Für Politiker*innen eine gute Gelegenheit, die Konflikte ihren Wähler*innen zu vermitteln. Aber auch Wissenschaftler*innen scheinen oft dankbar über diese klaren Parameter, um unsere Welt zu erklären.

Peter Linke, unabhängiger Analyst, bestätigt, dass es insbesondere im Bereich der Internationalen Beziehungen an neuen Instrumenten und Ideen fehlt, um Konflikte zu erklären. Gerade hier falle es schwer sich eine Welt ohne Stabilität vorzustellen, Zerfallsregionen, wie die arabische Welt zu erklären.

Wir erleben derzeit eine Renaissance alter Vorstellungskonzepte. Dazu gehört eine Rückkehr ins Religiöse genauso wie das Festhalten an Konzepten des Kalten Krieges in den Internationalen Beziehungen.

Gerade die Konflikte zwischen der EU und Russland würden viel verständlicher werden, wenn man nicht in die Kalte-Kriegs-Rhetorik zurückfällt. Wir müssen uns trauen, unsere komplexe Welt auch als solche zu beschreiben!

Laura Brehme

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